Trading-Setups in der Markttechnik
Trading-Setups in der Markttechnik sind regelbasierte Einstiegsszenarien in Trendrichtung: der Punkt-2-Trade, der Einstieg in der Korrektur und der unscharfe Einstieg.
Ca. 5 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 9. Oktober 2026
Die hier beschriebenen Setups konzentrieren sich auf den Trendhandel: Aus Sicht der Markttechnik erzielt der Handel mit dem Trend bessere Trefferquoten als andere Einstiegssignale. Zudem steigt jedes Setup aus einer Korrektur heraus in den Markt ein, die sich in der Großwetterlage gebildet hat. Die Grundlagen – die Punkte 1-2-3 und die Kombination von Großwetterlage und Signallage – werden im Artikel über Markttechnik erklärt.
Es werden drei Einstiegsszenarien unterschieden. In allen geht es darum, möglichst tief aus der Korrektur heraus in Richtung des Trends der Großwetterlage einzusteigen. In jedem Fall muss die Korrektur mindestens 50 % der vorangegangenen Bewegung zurückgelaufen sein; kleinere Korrekturen werden nicht gehandelt.
1. Punkt-2-Trade
Beim P2-Trade handelt man den Bruch von Punkt 2 in der untergeordneten Signallage in Trendrichtung. P2 ist besonders bedeutsam, weil an dieser Stelle im Chart die Orders vieler Marktteilnehmer zusammenkommen. Hier sammeln sich Orders von Tradern, die…
- …dort ihre Stop-Orders liegen haben,
- …eine Position eröffnen wollen,
- …ihre Position drehen wollen.
Deshalb bewegt sich der Kurs an P2 oft sehr schnell und kräftig. Mitunter kommt es sogar zu Kettenreaktionen, da nicht alle Marktteilnehmer ihre Stop-Orders gleich nah an den wichtigen Chartmarken platzieren: Wird ein Stop nach dem anderen ausgelöst, beschleunigt sich die Bewegung deutlich.

Der Chart zeigt einen klassischen P2-Trade. Links ist die Großwetterlage mit der markttechnischen Punktezählung zu sehen, rechts die Signaltrendgröße, die ebenfalls mit einer Punktezählung versehen wurde. Die Position wurde an P2 der Signallage eröffnet, da von dort aus eine Fortsetzung des Trends der Großwetterlage zu erwarten war.
2. Einstieg in der Korrektur
Beim Einstieg in der Korrektur ist zu beachten, dass damit die Korrektur des Signaltrends gemeint ist. Sowohl Großwetterlage als auch Signallage befinden sich also in einer Korrektur. Mit anderen Worten: Auch in der Signallage hat sich bereits ein Trend in Richtung des Haupttrends gebildet, da ihr P2 bereits gebrochen wurde – und dieser Signaltrend befindet sich nun seinerseits in einer Korrekturphase.
Es gibt drei Varianten des Einstiegs in der Korrektur:
Direkter Einstieg
Beim direkten Einstieg während der Korrekturphase warten Trader in der Regel, bis sich erste Schwächezeichen zeigen. Laufen die Kurse nur zögerlich zurück, kann der Einstieg jederzeit erfolgen, bis der letzte P3 des untergeordneten Trends gebrochen ist. Bei dieser Variante steigt man sofort mit der vollen geplanten Positionsgröße in den Markt ein.
Der folgende Chart zeigt einen solchen Einstieg in Short-Richtung. Die Großwetterlage ist blau dargestellt, die Signallage orange. Zudem ist die markttechnische Punktezählung sowohl für die Großwetterlage (große Ziffern) als auch für die Signallage (kleine Ziffern) eingezeichnet. Der Stop-Loss liegt am letzten Punkt 3 der Signallage.

Gestaffelter Einstieg
Meist ist es schwierig, so präzise in den Markt zu kommen, dass man das Extrem der Korrekturphase erwischt – bei einem Short-Trade deren Hoch. Da man nicht genau weiß, wann der Markt wieder in Trendrichtung dreht, platziert man bei dieser Variante mehrere Limit-Orders im Markt und wird Schritt für Schritt in die Position ausgeführt. Im Sinne eines soliden Money-Managements darf das Gesamtrisiko nicht aus dem Blick geraten: Das kombinierte Risiko der einzelnen Limit-Orders darf das für den Trade geplante Gesamtrisiko nicht überschreiten. Bei diesem Einstieg erhält man häufig weniger als die geplante Positionsgröße, da nur ein Teil der Limit-Orders ausgeführt wird.
Auch diese Variante lässt sich am vorherigen Chart veranschaulichen: Statt mit einer einzelnen Order hätte die Position mit mehreren Limit-Orders aufgebaut werden können.
Einstieg per Umkehrstab
Besteht in der Signallage bereits ein Trend, kann man auch versuchen, mit einem Umkehrstab in den Markt einzusteigen – einem Kursstab, der die Korrektur zunächst verlängert, dann aber dreht und deutlich in Trendrichtung schließt. Er ist ein klares Zeichen dafür, dass sich der Signaltrend wieder in seine ursprüngliche Richtung bewegt.
Der folgende Chart veranschaulicht diese Einstiegsvariante. Sowohl Großwetterlage als auch Signallage haben bereits einen Trend ausgebildet. Der Umkehrstab liefert eine zusätzliche Bestätigung für das Setup, da er die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Trades erhöht. Alternativ hätte man bereits früher, an P2 des Signaltrends, einsteigen und den Umkehrstab zum Aufstocken der Position nutzen können.
Bei Umkehrstäben ist darauf zu achten, dass die betrachtete Zeitebene nicht zu klein ist: Je kleiner die Zeitebene, desto weniger aussagekräftig der Umkehrstab. Umkehrstäbe im Tageschart haben besonderes Gewicht.

3. Unscharfer Einstieg
Der unscharfe Einstieg verdankt seinen Namen dem Umstand, dass man nicht auf ein Signal in der Signallage wartet. Stattdessen steigt man direkt in der Großwetterlage ein, sobald die Korrektur nahezu 100 % der vorherigen Bewegung zurückgelaufen ist. Anders als bei den beiden anderen Setups werden hier keine zwei Trendgrößen kombiniert.
Der unscharfe Einstieg ist ein sehr riskantes Setup, da die Position genau dort eröffnet wird, wo andere Marktteilnehmer zum Handeln gezwungen sein könnten. Im realen Handel kommt es häufig vor, dass der letzte P3 des Trends der Großwetterlage kurz angetestet wird, bevor die Kurse wieder in Trendrichtung laufen. Da Stop-Orders oft genau an dieser Stelle liegen, können sie durch eine solche kurze Bewegung ausgelöst werden (Stop-Fishing). Deshalb sollte dieses Setup nur gewählt werden, wenn die vorangegangene Korrektur sehr träge verlief oder sich idealerweise ein Umkehrstab gebildet hat.
Der folgende Chart veranschaulicht den unscharfen Einstieg. Der Trend der Großwetterlage (blau) hat um 100 % korrigiert. Ein direkter Einstieg wäre auch auf einem noch höheren Niveau möglich gewesen. In diesem Fall erfolgte der Einstieg jedoch nach Ausbildung eines Umkehrstabs, wobei die Order knapp unterhalb des Umkehrstabs ausgelöst wurde. Beim unscharfen Einstieg liegt der Stop-Loss am letzten Punkt 3 der Großwetterlage, da man direkt die Großwetterlage handelt.

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Weitere Begriffe.
- Stopregeln in der MarkttechnikRegeln zum Setzen und Nachziehen von Stops allein anhand der Chartstruktur – jenseits des letzten Punkt 3 beim Traden des Trends oder am Hoch bzw. Tief der letzten Kerze beim Traden der Bewegung.
- Dow-TheorieDie Dow-Theorie, Ende des 19. Jahrhunderts von Charles H. Dow entwickelt, besagt, dass sich Kurse in Trends bewegen. Ihre Grundsätze bilden das Fundament der technischen Analyse.
- Chance-Risiko-Verhältnis (CRV)Das Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) setzt den möglichen Gewinn eines Trades ins Verhältnis zum eingegangenen Risiko: Abstand vom Einstieg zum Kursziel gegenüber dem Abstand vom Einstieg zum Stop-Loss.
- Money-ManagementMoney-Management ist das Regelwerk, das festlegt, wie viel Kapital ein Trader je Trade und insgesamt einsetzt und riskiert – mit dem Ziel, das Konto vor großen Verlusten zu schützen.